DRK-Region Hannover e.V.

Die pädagogische Rahmenkonzeption

1. Der Träger und seine Grundsätze

In seiner Satzung hat sich das Deutsche Rote Kreuz zur Jugendpflege, Jugendfürsorge und Jugendsozialarbeit verpflichtet. Dazu gehört auch die Förderung von Kindertageseinrichtungen.

Der DRK-Region Hannover e.V. ist Träger von 57 Kindertagesstätten. Durchschnittlich werden pro Tag über 4.300 Kinder von Erziehern unter der Mithilfe von Kinderpflegern, Sozialassistenten und Praktikanten betreut.

Mit der Trägerschaft von Tageseinrichtungen für Kinder erfüllt das DRK nicht nur seinen satzungsgemäßen Auftrag, sondern will durch sein Tun auch die Grundsätze seines Gründers, Henry Dunant, verwirklichen.

Deshalb werden

  • Menschlichkeit
  • Unparteilichkeit
  • Neutralität
  • Unabhängigkeit
  • Freiwilligkeit
  • Einheit
  • Universalität

im Berufsalltag durch entsprechendes Handeln vorgelebt.

Zum Verständnis der Grundsätze ist es wichtig, ihre unterschiedliche Funktion zu kennen. Menschlichkeit und Unparteilichkeit beschreiben das Ziel der Rotkreuzbewegung. Neutralität und Unabhängigkeit sind die Mittel, um diese Ziele zu erreichen und die Umsetzung zu ermöglichen. Freiwilligkeit, Einheit und Universalität sind Durchführungsnormen und beschreiben das Organisationsprinzip.

Der Grundsatz der Menschlichkeit hat für die pädagogische Arbeit und ihre Umsetzung in DRK-Kindertageseinrichtungen die größte Bedeutung. In der Hierarchie der Grundsätze steht Menschlichkeit an erster Stelle. Sie ist als Ziel formuliert, dass Rotkreuzarbeit allgemein und die Pädagogik in den DRK-Kindertageseinrichtungen insbesondere leisten soll. Handlungsaufforderungen wie "der Würde des Menschen Achtung verschaffen", "Leiden verhüten, Leben und Gesundheit schützen", "gegenseitiges Verständnis, Zusammenarbeit und Frieden fördern" entsprechen unserem Grundverständnis von Pädagogik.

Unparteilichkeit bedeutet die Akzeptanz individueller und gruppenspezifischer Unterschiede, die zum Ausgangspunkt für pädagogisches Handeln und konzeptionelle Schwerpunktsetzung gemacht werden soll. Die Kindergruppe bietet Kindern und Erziehern den Raum, sich in ihrer Individualität kennen zu lernen, zu akzeptieren, bestehen zu lassen und zu merken, welche Möglichkeiten zur Verständigung und zu gemeinsamen Tun es gibt unter Anerkennung aller Unterschiede.

Der Grundsatz der Neutralität steht in engem Zusammenhang mit dem Grundsatz der Unparteilichkeit. Die Einnahme einer neutralen Position macht es möglich, Vertrauen zu bilden, Vermittlungsversuche zu initiieren und Konfliktlösungen zu erarbeiten. Im Zusammenhang mit dem Grundsatz Menschlichkeit fordert der Grundsatz der Neutralität von Erziehern die Einhaltung parteipolitischer, religiöser und ideologischer Neutralität. Zu fachlicher beziehungsweise fachpolitischer Meinungsäußerung sind sie jedoch aufgefordert. Zu sozialpolitischen Bedingungen, die die Lebenslagen von Kindern und Familien beeinflussen, sollen sie Stellung nehmen. Auch gilt es, dort Partei zu ergreifen, wo die Würde eines Anderen missachtet wird.

Entsprechend dem Rotkreuz-Grundsatz Unabhängigkeit ist es für den Träger erforderlich, sich die notwendige Unabhängigkeit und Eigenständigkeit zu bewahren, die es ihm gestattet, die den Grundsätzen entsprechende Erziehungs- und Bildungsarbeit in seinen Kindertageseinrichtungen zu gewährleisten.

Der Grundsatz der Freiwilligkeit bietet die Orientierung im Alltag. Willensäußerungen von Kindern, Eltern und Kollegen als frei gegeben zu akzeptieren und zu fördern. Im Zusammenspiel der Grundsätze der Menschlichkeit und Freiwilligkeit lernen Kinder, sich aus freiem Willen heraus für andere und mit anderen für humanitäre Interessen einzusetzen.

Der Rotkreuz-Grundsatz Einheit definiert die Einheitlichkeit der Zielsetzung und des darauf aufbauenden Handelns in einem Staat. Dies bedeutet ein konstruktives Miteinander unter der gemeinsamen Idee der humanitären Tätigkeit.

In dem Grundsatz der Universalität ist das Prinzip der Identifikation mit dem Ganzen der Rotkreuzarbeit angesprochen. Das umfasst die Vorstellung von gegenseitiger und übergreifender Unterstützung und Förderung. Der Grundsatz zielt auf das Bewusstsein über die weltweite Verbundenheit in einer die Menschlichkeit fördernden Institution und die Herstellung entsprechender Kontakte.

Für die Erzieher bedeutet das, sich darüber bewusst zu werden, dass DRK-Kindertageseinrichtungen ideell und aktiv in eine weltumfassende Institution eingebunden sind. Das bedeutet weiter, sich für die Lebensbedingungen anderer Menschen, anderer Kulturen und Gesellschaften zu interessieren und ihnen mit Offenheit und Hilfsbereitschaft zu begegnen. Aus dieser Grundhaltung heraus lassen sich vor Ort Impulse für den "Blick über den Zaun" setzen und Kooperationsideen entwickeln.

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2. Unser Bild vom Kind

Das pädagogische Konzept in DRK-Kindertageseinrichtungen geht von gleichberechtigten Partnern, den Kindern, aus. Jedes Kind ist eine eigenständige Persönlichkeit. Kinder bilden sich selbst. Wir stellen eine anregungsreiche Umgebung und ein "anerkennendes Gegenüber" zur Verfügung.

3. Ziele unserer pädagogischen Arbeit

Unter Berücksichtigung unserer Sichtweise des wechselseitigen Lehrens und Lernens ist das Ziel unserer pädagogischen Arbeit, bei den Kindern Kompetenzen im folgenden Sinne weiterzuentwickeln.

Wir haben uns die Förderung der Ich-, Sach- und Sozialkompetenz zum Ziel gesetzt.

Ich-Kompetenz bedeutet in diesem Sinne das Verhältnis des Kindes zu sich selbst. Es geht hierbei um seine Fähigkeit, sich unter dem Gesichtspunkt der eigenen Interessen und Möglichkeiten mit der Umwelt auseinander zu setzen.

Unter Sozialkompetenz ist das Verhältnis des Kindes zu seiner sozialen Umwelt unter dem Aspekt der eigenen Handlungsfähigkeit zu verstehen. Sie bezeichnet die Bereitschaft und Fähigkeit des Kindes, Bedürfnisse, Wünsche, Interessen und Erwartungen anderer wahrzunehmen und eigenes Verhalten angemessen zu berücksichtigen.

Sachkompetenz zielt auf das Verhalten des Kindes zu seiner gegenständlichen und natürlichen Umwelt unter dem Aspekt der Handlungsfähigkeit. Sie beinhaltet die Bereitschaft und Fähigkeit des Kindes, sich realitäts- und sachangemessen zu verhalten.

Zur Verwirklichung dieser Ziele erhält das Spiel, die Bewegung sowie das Menschenbild eine wesentliche Bedeutung.

4. Umsetzung in der täglichen Arbeit

Um die Ziele der Weiterentwicklung der Kompetenzen zu erreichen, orientiert sich unsere pädagogische Arbeit am Situations-Ansatz.

Bei diesem pädagogischen Konzept steht die Situation des einzelnen Kindes, aber auch der Gruppe im Mittelpunkt. Wir wollen Kindern die Möglichkeit geben, Lebensereignisse die sie beschäftigen, nachzuerleben, diese zu verstehen und aufzuarbeiten.

Um die aktuelle Situation eines Kindes erfassen zu können, um zu erfahren, welche Bedürfnisse sie haben, welche Fragen und Probleme sie bewegen, beobachten wir die Kinder in ihrem Verhalten. Neben den Beobachtungen sind Hintergrundinformationen (soziales Umfeld, Erschwerungen der Lebensumstände, Familienstruktur, Entwicklungsstand des Kindes, Sozialkontakte) außerhalb des Kindergartens von großer Bedeutung. Daraus lassen sich Rückschlüsse über Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der Kinder ziehen.

Diese Rückschlüsse werden genutzt, um Ziele zu formulieren und Angebote oder Projekte zu planen, welche in ganz unterschiedlichem Umfang stattfinden können. Dadurch entstehen Themen, zu denen die Kinder einen realen Bezug haben. Sie erhalten die Möglichkeit, sich an der Planung des pädagogischen Geschehens zu beteiligen sowie ihre eigenen Vorstellungen und Ideen einzubringen.

Bei der Durchführung eines Themas lernt das Kind ganzheitlich in Erfahrungszusammenhängen - das heißt, alle Bereiche der kindlichen Persönlichkeit (emotional, kognitiv, körperlich) werden angesprochen, gestärkt und entsprechend gefördert.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass wir keine "Angebots- oder Beschäftigungspädagogik" betreiben, welche nach starren Plänen am Kind vorbei arbeitet oder ungeplant und unreflektiert an das Kind herangetragen wird.

5. Gemeinwesen und Elternmitwirkung

Im Einzugsbereich unserer DRK-Kindertagesstätten besteht eine erfreulich gute Zusammenarbeit mit den Grundschulen und anderen Institutionen und Einrichtungen. Wir sehen unsere DRK-Kindertagesstätten als einen Teil des Gemeinwesens an.

Die enge Zusammenarbeit mit den Eltern ist für unsere Arbeit unerlässlich, um für die Kinder optimale Entfaltungsmöglichkeit ihrer Potenziale in beiden Lebenswelten zu erreichen.

Es ist uns wichtig, dass sich Eltern in unseren Einrichtungen von Anfang an willkommen fühlen, um eine vertrauensvolle und intensive Zusammenarbeit aufzubauen.